NapfScout

Gerechnet für einen 20-kg-Hund.

Gutes Hundefutter erkennen: 6 Punkte auf dem Etikett

Welche Angaben auf dem Hundefutter-Etikett etwas über Qualität sagen, mit Anteilen aus unserem Bestand: Deklaration, Fleischart, Fleisch nach Trocknung.

Von der . Aktualisiert am . 6 Quellen, am Ende verlinkt.

Ob ein Hundefutter gut ist, steht nicht auf der Packung. Was dort steht, ist gesetzlich geregelt und verrät trotzdem eine Menge, wenn du weißt, wo du hinschauen musst [1]. Die sechs Punkte unten sind die Angaben, mit denen wir selbst arbeiten, wenn wir ein Futter in unseren Bestand aufnehmen. Zu jedem Punkt steht, wie oft er in unseren Daten erfüllt ist, und wo das Etikett schweigt.

1. Alleinfutter oder Ergänzungsfutter

Ganz oben auf der Rückseite steht, was für ein Futter es ist. Nur ein Alleinfuttermittel soll bei richtiger Menge alles liefern, was ein Hund am Tag braucht. Ein Ergänzungsfuttermittel reicht allein nicht aus, auch wenn es aussieht wie eine Mahlzeit [1]. Viele Reinfleisch-Dosen und Snacks gehören dazu.

In unserem Bestand sind 2 % der Trockenfutter und 7 % der Nassfutter als Ergänzungsfutter gekennzeichnet. Dazu kommen Diätfuttermittel für einen besonderen Ernährungszweck, etwa bei Nierenerkrankungen; sie sind für Hunde mit tierärztlicher Begleitung gedacht. Beide Arten bekommen bei uns keine Vergleichsnote, weil sie ein anderes Ziel haben als ein Alleinfutter für gesunde Hunde.

2. Tierart benannt oder Sammelbegriff

Die Zusammensetzung nennt alle Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts. Hersteller dürfen dabei einzelne Zutaten nennen oder Kategorien wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ verwenden [1, 3]. Das erste heißt offene, das zweite geschlossene Deklaration. Beides ist erlaubt. Bei einer Kategorie erfährst du aber weder die Tierart noch welches Gewebe genau drinsteckt, und der Hersteller kann die Rezeptur ändern, ohne das Etikett anzupassen.

Geschlossen deklariert sind in unserem Bestand 6 % der Trockenfutter und 19 % der Nassfutter. In unserer Vergleichsnote zählt die Offenlegung der Angaben mit; eine offene Deklaration ohne Sammelbegriffe bringt dort die meisten Punkte, weil sich nur dann Tierart und Anteil prüfen lassen.

Beispiel aus dem Bestand, Nassfutter

Die Zusammensetzung beginnt mit: Fisch und Fischnebenerzeugnisse (90 %), Getreide (4,1 %), Öle und Fette, Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse (0,0 %).

Geschlossene Deklaration: Sammelbegriffe statt einzelner Zutaten. 5 von 7 Zutaten mit Prozentangabe.

Packung Forza10 Diet Thunfisch Paté mit Reis

16,54 €am Tag

Für einen 20-kg-Hund: 1.765 g Futter

Preis pro kg
9,37€/kg
FleischFleischanteil
90%

1 Shop

3. Prozente und Reihenfolge

Wird eine Zutat auf der Packung hervorgehoben, im Namen, im Bild oder im Text, muss ihr Anteil in Prozent in der Zusammensetzung stehen [1]. Auch der Name selbst hat Regeln: Heißt ein Futter schlicht „Lamm“, muss mindestens 26 % der Rezeptur daraus bestehen; „mit Lamm“ verlangt nur 4 % [2]. Es lohnt sich, den ganzen Namen zu lesen.

Die Reihenfolge verrät ebenfalls etwas. Steht eine Fleischzutat an erster Stelle, ist sie die schwerste Einzelzutat. Das heißt nicht, dass Fleisch die Mehrheit bildet: Stehen dahinter Reis, Mais und Weizen einzeln, können sie zusammen mehr wiegen. Gerechnet wird außerdem vor dem Kochen und Trocknen, und damit sind wir beim nächsten Punkt.

4. Frischfleisch: was nach der Trocknung bleibt

Frisches Fleisch besteht zu rund drei Vierteln aus Wasser. Im Trockenfutter verdampft dieses Wasser, und übrig bleibt etwa ein Viertel des Gewichts [2]. Ein Etikett mit „60 % frisches Huhn“ klingt deshalb nach mehr, als am Ende im fertigen Futter steckt. Wir rechnen jede Fleischzutat auf das fertige Futter um.

Bei den Trockenfuttern, deren Anteil sich genau bestimmen lässt, nennt das Etikett im Mittel 40 % Fleisch. Nach unserer Umrechnung stammen im Mittel 30 % des fertigen Futters aus Fleisch. Bei Nassfutter entfällt diese Rechnung, weil das Wasser in der Dose bleibt. Wie wir im Einzelnen vorgehen, steht im Ratgeber Fleischanteil richtig lesen.

Beispiel aus dem Bestand, Trockenfutter

Laut Etikett 50 % Fleisch in der Rezeptur. Nach unserer Umrechnung stammen rund 41 % des fertigen Futters aus Fleisch (41 % bis 42 %).

  1. Gänseprotein 20 % getrocknet, zählt voll: 18,0 kg Trockenmasse
  2. Entenprotein 17 % getrocknet, zählt voll: 15,3 kg Trockenmasse
  3. frisches Gänsefleisch 12 % frisch, × 0,25 = 3,0 kg Trockenmasse
  4. Geflügelleber 1 % flüssig, wie frisch × 0,25 = 0,3 kg Trockenmasse
  5. Aus 100 kg Rezeptur werden rund 88,6 kg fertiges Futter.

5. Analytische Bestandteile lesen

Unter der Zusammensetzung stehen Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche in Prozent, bei Nassfutter dazu die Feuchte [1]. „Roh“ heißt hier: im Labor nach einem Standardverfahren bestimmt, nicht unverarbeitet. Rohasche ist der Mineralstoffanteil, also Calcium, Phosphor und andere Mineralien, und kein Füllstoff.

Die Werte trockener und nasser Sorten lassen sich nicht direkt vergleichen, weil der Wassergehalt so verschieden ist. Unter den benoteten Trockenfuttern in unserem Bestand liegt das Rohprotein in der Mitte bei 26,0 %, die Rohasche bei 7,0 %. Aussagekräftiger ist der Bezug auf die Energie: Die FEDIAF gibt ihre Mindestwerte je 1.000 kcal an [4]. Wir rechnen jede Sorte darauf um und prüfen, ob Eiweiß, Fett, Calcium und Phosphor reichen.

Beispiel aus dem Bestand, Nassfutter

Analytische Bestandteile laut Hersteller
Bestandteilwie verfüttertin der Trockenmasse
Rohprotein13,54 %37,4 %
Rohfett13,67 %37,8 %
Rohfaser0,61 %1,7 %
Rohasche3,19 %8,8 %
Feuchte63,83 %entfällt

190 kcal je 100 g, nach der FEDIAF-Formel berechnet. Das sind 71,4 g Protein je 1.000 kcal.

6. Energie und Fütterungsempfehlung

Jedes Alleinfutter muss eine Fütterungsempfehlung tragen [1]. Sie ist ein Startwert für einen Durchschnittshund und oft großzügig bemessen. Die Energie je 100 g muss dagegen nicht angegeben werden. In unserem Bestand nennen sie nur 8 % der Trockenfutter und 7 % der Nassfutter; für alle anderen rechnen wir sie aus der Analytik.

Die Energie entscheidet, wie viel dein Hund frisst und was ein Tag kostet. Ein Futter mit höherem Kilopreis, aber mehr Energie kann am Tag günstiger sein als ein billiges. Wie viel dein Hund braucht, rechnest du im Ratgeber Futtermenge berechnen aus, was das im Monat kostet, steht unter Was kostet Hundefutter im Monat.

Was das Etikett nicht sagt

Über die Qualität der Rohstoffe, die Verdaulichkeit und mögliche Schadstoffe steht nichts auf der Packung. Das lässt sich nur im Labor messen oder beim Hersteller erfragen. Die Fachgesellschaft WSAVA empfiehlt, zu fragen, wer die Rezeptur entwickelt hat, ob sie in Fütterungsversuchen geprüft wurde und wie die Qualitätskontrolle aussieht [5]. Tierärztliche Ernährungsfachleute warnen außerdem davor, ein Futter allein nach der Zutatenliste zu beurteilen: Beliebte Zutaten sagen wenig darüber, ob das Futter am Ende vollständig und verdaulich ist [6].

Unsere Vergleichsnote nutzt mehrere dieser Punkte, soweit sie sich aus den Angaben prüfen lassen: Fleischanteil, Proteinreserve und Offenlegung, dazu der Grundcheck gegen die FEDIAF-Werte. Eigene Vergleichsnote nach offengelegten Kriterien, keine Laboranalyse. Wie sie im Einzelnen entsteht, steht in der Methodik.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln Europäisches Parlament und Rat, 2009. Rechtstext, Art. 3, Art. 17, Art. 22, Anhang VII.
  2. Code of Good Labelling Practice for Pet Food FEDIAF, 2019. Leitlinie, 3.2.1.4 S. 17 bis 18, Annex 5 S. 58 bis 61.
  3. Leitfaden zur Kennzeichnung von Einzelfuttermitteln und Mischfuttermitteln, 3. Auflage Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2021. Behörde, S. 20 bis 21 und 26.
  4. Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs FEDIAF, 2024. Leitlinie, Tab. III-3a und III-3b, S. 15 bis 16.
  5. Guidelines on Selecting Pet Foods WSAVA Global Nutrition Committee, 2021. Fachgesellschaft.
  6. Why you shouldn’t judge a pet food by its ingredient list Tufts University, Petfoodology, 2016. Fachgesellschaft.

Wer das schreibt

Luca betreibt NapfScout und schreibt die Ratgeber. Jede Faktenaussage ist mit einer Quelle belegt; wo die Forschung uneins ist, steht die Evidenzstufe dabei. Zahlen aus dem eigenen Bestand werden bei jedem Datenabruf neu berechnet. Wie die Vergleichsnote entsteht, steht in der Methodik.